Apostel Philippus

um 1500

Apostel Philippus

Werkstatt des Meisters von Kefermarkt

Oberösterreich 

Um 1500

Lindenholz geschnitzt, Höhe 68 cm
Originale, polychrome Fassung


Patron von Sorrent, Dieppe, Philippeville, Brabant und Luxemburg, Speyer und Philippsburg; der Walker, Gerber, Hutmacher, Krämer, Pastetenbäcker und Konditoren

Der Kefermartker Altar und seine Werkstatt!

Neben dem Altar Michael Pachers in St. Wolfgang und dem Marienaltar des Veit Stoß in Krakau zählt der Kefermarkter Altar nahe Freistadt in Oberösterreich zu den drei monumentalen, kirchlichen Bildwerken am Ende des 15. Jahrhunderts. Der 13,5 m hohe und 6,3 m breite Altar ist eine der größten gotischen Schnitzereien in Europa. Er wurde aus Lindenholz gefertigt und ist ungefaßt, also das Holz ist nicht bemalt. Im Mittelteil stehen, von links nach rechts, die  überlebensgroßen Statuen der drei Heiligen, Petrus, Wolfgang und Christophorus. Sie werden von reich geschmückten Konsolen getragen und von Baldachinen bekrönt. Auf den beiden fixierten Flügeln sind Szenen aus dem Leben Marias dargestellt. Im Gesprenge sind zu unterst, Maria, die Heilige Katharina und die Heilige Barbara zu sehen, darüber die Heilige Agnes, flankiert von zwei Prophetenbüsten und zuoberst die Heilige Helena. Das Werk fasziniert den Betrachter nicht nur durch seine imposante Größe und die damit verbundene Ausstrahlung  sondern auch mit seinen liebevollst ausgeführten Einzelheiten. Jede Figur trägt ein anderes Gewand, die Gesichter sind allesamt unterschiedlich und zeigen keinerlei „Verwandtschaft“ zueinander; auch die Gerätschaften wurden bis ins kleinste Detail geschnitzt.

Der Meister dieses Bildwerkes ist noch nicht mit Sicherheit bekannt. Viele Experten vermuten jedoch Martin Kriechbaum aus der Passauer Schule hinter dem Künstler. Seine Lebensdaten sind nicht dokumentiert. Er war um 1470 – 1500 in Passau, Ober- und Niederösterreich tätig. Ausser dem weltberühmten Kefermarkter Altar im oberösterreichischen Mühlviertel können wir einige Skulpturen der Werkstatt des Meisters zuordnen. So z.B. Madonna auf dem Thron Salomons im Grassi Museum Leipzig, sitzende Jungfrau in der Prager Nationalgalerie, Skulptur eines stehenden Engels aus dem Klarissenkloster in Dürnstein i.d. Wachau, Johannes Schüssel im OÖ Landesmuseum,  Madonna mit Kind in Bad Hofgastein oder die Madonna mit dem Apfel im Stift Klosterneuburg. Letztere ist möglicherweise mit einer im Rechnungsbuch von 1496 erwähnten „Ymagine Beate Marie Virginis“ zu identifizieren.

Die Madonna von Gojau (Kájov) ist sicherlich ein vorausgehendes Schlüsselwerk und damit von großer Bedeutung für die kunsthistorische Forschung. Manche Historiker würden gerne den Meister umbenennen. Also nicht der Meister von Kefermarkt sonder der Meister der Madonna von Gojau welche Kriechbaum zugeordnet wird. Der Altar in Kefermarkt ist stilistisch jedoch nicht eindeutig auf einen Künstler zu reduzieren. Das talentierte, gut ausgebildete Gesellen am Werk waren ist bei allen großen Schnitzwerkstätten bekannt. Jedoch sind dem Umfeld der Kefermarkter Werkstatt auch andere namhafte Bildhauer zuzuordnen, wie der Meister des Schongauer Altärchens oder der Strassburger Hans Kamensetzer welcher um 1473 nach Wien übersiedelte wo er für den Kaiser zu arbeiten begann. So können wir heute mit ziemlicher Sicherheit sagen dass eine Anzahl an Schnitzern diese kreative Produktionsstätte bildeten und unter ihrem Einfluss tätig war. Diese Meister haben einen Stil entwickelt, geprägt und verbreitet. In seiner Weiterführung sind auch die Altäre von Zwettl oder Mauer bei Melk geschaffen worden.

Daher ist die Zuschreibung unserer Skulptur auch in diesem größeren Zusammenhang zu sehen.

Eine genaue Verifizierung wird nach heutigem Stand des Wissens nicht eindeutig möglich sein.

Die Forschung ist sehr weit fortgeschritten, jedoch ergeben sich immer wieder neue, spannende Erkenntnisse und damit auch andere Beurteilungen. Eine tiefere, intensive Bearbeitung wäre spannend, ist uns jedoch aus Zeitgründen leider nicht möglich. Wäre eine interessante Aufgabe für einen Sammler oder Liebhaber wenn er die bereichernde Herausforderung einer Recherche annehmen würde. Vielleicht sogar der neue Besitzer selbst.

Fest steht die Tatsache der Entstehungszeit um 1500 und der stilistischen Herkunft der Werkstatt des Meisters von Kefermarkt. Die Qualität  der Skulptur ist grossartig und in Korrespondenz mit der original erhaltenen Fassung eine sammelwürdige Seltenheit. Unser Apostel ist ein wunderbares Beispiel für die Kunst- und Kulturlandschaft Nordostösterreichs in der Spätgotik. Skulpturen solcher Provenienz sind heute nur mehr sehr selten am Kunstmarkt zu finden.