Ernst Stöhr

Sankt Pölten 1860 – 1917 Sankt Pölten

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Ernst Stöhr wächst in seiner Heimatstadt St. Pölten auf. Musisch mehrfach begabt schwankt er zwischen Dichtung, Malerei und Musik, in der er eine umfassende Bildung im eigenen Elternhaus erfährt. Sein Vater ist Geigenbauer, sein Onkel der Komponist und Leiter des St. Pöltener Musikvereins Ludwig Stöhr, der ihm zeitlebens eng verbunden bleibt. Ernst besucht die Wiener k.u.k. Kunstgewerbeschule, danach die Akademie der bildenden Künste, doch die konservative Einstellung der Professoren bewirkt seinen dortigen Abgang. Statt- dessen findet er Aufnahme in die reformorientierten Künstlerkreise von Wien. Dennoch wird er Mitglied der konservativen Genossen- schaft bildender Künstler im Künstlerhaus. Er zählt dort bereits vor 1897 zum Kreis um Gustav Klimt und tritt als Gründungsmitglied der Secession hervor.

Ernst Stöhr liebt die Natur und zieht sich immer wieder bewusst von den Menschen der Hauptstadt zurück. Er flieht in die Liebe (zu seiner Kusine) und damit zugleich in die Abgeschiedenheit des slowenischen Wocheiner Sees. Vorerst findet Stöhr privates Glück, nach Entwürfen seines Freundes Josef Hoffmann baut er sich ein Atelier aus und malt auch viel im Pleinair. Das Bild „Schneerosen“ könnte also im Wocheiner Winter entstanden sein. Der Detailausschnitt des Schneefeldes ist genuin impressionistisch aufgefasst und in vibrierendem Pinselstrich vorgetragen. Lichtreflexe am Schneeboden erscheinen wohltemperiert; warme und kühle Partien halten einander die Waage.

Über koloristische Raffinessen hinaus zeigt uns Stöhrs Naturausschnitt ein allegorisches Gleichnis. Die Kälte des Winters wird zur Darstellung vom Überlebenskampf in der Natur. Während eine Gruppe von drei Schneerosen auf aperem Grün steht, scheinbar auf sicherem Boden, trotzen zwei vereinzelte Blumen jeweils dem Eis. Sie haben den Blütenkelch noch nicht ganz bzw. nicht mehr geöffnet und werden zum schwächeren Glied im Kreislauf von Werden und Vergehen. Das Ringen der Pflanzen im Schnee steht für Stöhrs Lebenskampf, seine Sehnsucht nach Sicherheit. Gerade in den Wintern jener Zeit suchen ihn hartnäckig mentale Tiefschläge heim. 1902 stirbt nach längerem Leiden Ludwig Stöhr, sein Onkel und Mentor, was Ernst erneut in tiefe Depressionen stürzt. Die Malerei in der Natur hilft Stöhr wieder Hoffnung, neue Freude am Leben zu finden.

Bernhard Barta