Hl. Katharina

um 1350/70

Hl. Katharina

Köln um 1350/70
Lindenholz geschnitzt
Höhe 49,5 cm
Originale, polychrome Fassung

Eine Skulptur aus der Blütezeit der Stadt Köln.

Köln war im Hochmittelalter mit ca. 40.000 Einwohner die größte Stadt im deutschsprachigen Raum und damit auch ein bedeutendes kulturelles Zentrum.

Seit dem 12. Jahrhundert führte Köln neben Jerusalem, Konstantinopel und Rom die Bezeichnung Sancta im Stadtnamen: Sancta Colonia Dei Gratia Romanae Ecclesiae Fidelis Filia – Heiliges Köln von Gottes Gnaden, der römischen Kirche getreue Tochter. Der Name Dat hillige Coellen oder die hillige Stat van Coellen war ein Begriff dieser Zeit. Es wurde beschlossen, ein unerreicht großes und beeindruckendes Gotteshaus zu errichten. Die Grundsteinlegung des Kölner Domes erfolgte 1248. Bereits 1259 erhielt Köln das Recht auf dem Rhein transportierte Waren zu verkaufen und wurde somit eine wohlhabende Stadt.

Zwischen 1000 und 1550 war Köln ferner eine Kunstmetropole von Rang und einem kulturellen Austausch mit Paris, Prag, den Niederlanden und Italien. Vor allem von ca. 1350 bis 1550 hatte Köln eine künstlerisch ungewöhnlich fruchtbare Epoche mit der eine eigene Ausprägung der Kunst geschaffen worden ist und mit der die Stadt hinsichtlich Qualität eine Spitzenstellung eingenommen hatte. Hiermit ist wohl auch der heutige Ruf Kölns als Kulturmetropole begründet worden.

Die Heilige Katharina die wir Ihnen heute vorstellen ist eine aussergewöhnliche Skulptur vom Beginn der Hochblütezeit. Um 1350/70 entstanden zeigt sie den Anfang des Weichen Stils (1) im Kölner Raum. Die S-Linie schon ausgeprägt fallen von der rechten Hüfte Röhrenfalten bis zum Boden und  vor der Mitte des Körpers drapieren sich Schüssel-Falten. Katharina steht auf dem rechten Fuss das linke Spielbein ist leicht angewinkelt und nach vorne gesetzt. Die Fussspitze ist erkennbar zu sehen. Beide Ellenbogen sind an die Hüften angelehnt um die Attribute, das Schwert und das Rad besser tragen zu können. Die Krone ist von französischen Einfluß; unter ihr fallen die Haare in mehreren Zopfsträngen über die Schultern. Einen verschmitzten Blick hat sie und die mandelförmigen Augen zeigen den Nachklang des Hochmittelalters. Ein besonderes Merkmal ist die großartig erhaltene, originale, polychrome Fassung. Auch Rad und Schwert sind ursprünglich. Eine Skulptur von großer Seltenheit und musealem Charakter.