Madonna Salzburg

um 1350/70

Madonna

Salzburg
um 1350/70
Lindenholz geschnitzt
Originale, polychrome Fassung
Höhe 68 cm

Museale Skulptur aus der Frühzeit der gotischen Bildhauerkunst in Salzburg

Diese Madonna steht am Beginn der Entfaltung der Salzburger Bildhauerei in der Gotik. Mit ihr und der um sie gruppierten Stilrichtung beginnt die Entwicklung einer lokalen Kunst zu einem typisch Salzburger Weichen Stil. Sie kann als spannendes Werk und Ausgangspunkt gesehen werden. Mit schwungvoller Bewegung und intimer Nähe präsentiert die Gottesmutter ihr lebendiges Kind und stellt damit eine bemerkenswerte Vorstufe zu den „Schönen Madonnen“ der Zeit um 1400 dar.

Schon in der Doppel S-Linie gehalten ist auch das innigliche Verhältnis der Mutter zum Kind schon stark erkennbar. Das zeigt sich im Besonderen in den zueinander gerichteten, Blicke tauschenden, Gesichtern. Das Kind ist allerdings noch bekleidet und sieht eher wie ein kleiner Erwachsener aus. Diese Gestaltungsform, die noch etwas statische Haltung und die mandelförmigen Augen der beiden sind noch Stilmerkmale der archaischen, mittelalterlichen Kunst.

Die Madonna steht auf dem rechten Fuss das linke Spielbein ist leicht angewinkelt und nach vorne gesetzt. Noch sind beide Fussspitzen erkennbar zu sehen. Eine Eigenschaft die sich kurze Zeit später verliert weil das Standbein von einem überhängenden Mantel verdeckt wird. Der Knabe sitzt auf der rechten Hüfte, von der Röhrenfalten entlang des Beines bis zum Boden fallen. Auch unter dem linken, angewinkelten Unterarm entstehen ebenfalls tubuläre Falten im Umhang welche bis zum Sockel der Figur reichen. Dadurch wellen sich die Draperien der Schüssel-Falten in der Körpermitte. Diese Merkmale nehmen die charakteristische Ausdrucksform der Schönen Madonnen des Weichen Stils vorweg. Maria trägt eine Haube und keinen Schleier. Unter dieser aussergewöhnlichen Kopfbedeckung sind die, in kleinen Wellen herunterfallenden, Haarsträhnen deutlich erkennbar. Mit ihrem gütigen Gesichtsausdruck vermittelt die Mutter nicht nur intime Nähe zum Kind sondern gibt uns das Gefühl ins Unendliche zu blicken; als wäre sie nicht von dieser Welt.

Erstaunlicher Weise ist die Skulptur vollrund geschnitzt und nicht gehöhlt. Ein Kriterium das nur sehr wenigen Bildwerken dieser Zeit vorbehalten war. Bemerkenswert ist auch die original erhaltene, polychrome Fassung die den ganzen Körper umschließt.

In all ihren Eigenschaften ist diese gotische Plastik ein sammelwürdiges Kunstwerk musealer Güte.