Pablo Picasso

Malaga 1881 – 1973 Mougins

WERKE:

„Ich wollte Maler werden und ich bin Picasso geworden“ (Pablo Picasso über sich selbst)

Als Begründer der Stilrichtung Kubismus war der Spanier Pablo Picasso einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts. In 70 Jahren intensivsten Schaffens widmete er sich neben der Malerei auch grafischen und plastischen Arbeiten. Zu Picassos bekanntesten Werken gehören „Guernica“ und die als Symbol des Friedens bekannt gewordene Darstellung einer Taube. Insgesamt stellte er fast 20.000 Kunstwerke her.

Pablo Ruiz y Picasso wurde am 25. Oktober 1881 in Málaga als Sohn des Kunstlehrers José Ruiz Blasco und seiner Ehegattin María Picasso y López geboren, mit deren Mädchennamen er ab 1898 seine Bilder signierte. Schon das erste Ölgemälde des vierjährigen Picasso zeigt einen Stierkämpfer. Im Alter schildert er rückblickend: „Die Leute stellen sich vor, ich hätte die Stierkämpfe meiner Bilder nach dem Leben gemacht. Sie irren sich. Ich hab’ sie am Abend vorher gemalt, um das Eintrittsgeld bezahlen zu können.“ Ab 1900 hielt sich Picasso öfters in Paris auf und ließ sich 1904 für längere Zeit dort nieder. In dieser Schaffensphase orientierte sich Picasso am Spätimpressionismus, Jugendstil und Symbolismus und verdankte neben Paul Gauguin und Edgar Degas vor allem dem Werk Henri de Toulouse-Lautrecs vielfältige Anregungen. Sein Bild „Das Blaue Zimmer“ (1901) zeigt schon deutlich die Entwicklung seines ersten eigenständigen Stils. Die „Blaue Periode“ wird von einem melancholischen Grundton bestimmt, in dem der Künstler das menschliche Elend (Bettler, Blinde, Trinker, Straßenmädchen) abbildete. In der Rosa Periode (1905/06) wurden Farbskala und Themenvielfalt ausgebaut. Picasso entdeckte den Zirkus als Motiv, malte Gaukler und Akrobaten. Gerade mit dem Harlekin identifizierte sich Picasso. Als Motiv taucht er auch später immer wieder auf. Zu den ersten Sammlern seiner Werke gehörte damals die reiche Amerikanerin Gertrude Stein, die er auch portraitierte. Sie stellte ihm u.a. Henri Matisse vor, mit dem ihn später eine enge Freundschaft verband. Das zum Maskenhaft-Anonymen tendierende Porträt von Gertrude Stein zeigt eine Stilwende in Picassos Schaffen. Nach dem Vorbild der schwarzafrikanischen Plastik reduzierte er das Gegenständliche auf geometrische Strukturen.

Cézannes große Werkschau inspirierte Picasso 1907/08 zu einer Reihe von Landschaftsbildern, die später von einem Kunstkritiker als aus „Kuben“ – also würfelartigen oder zylindrisch-kristallinen Bildteilen bestehend – beschrieben wurden. Daraus leitete sich der Begriff Kubismus ab, der einer ganzen Kunstepoche den Namen gab. In dieser Zeit schuf Picasso neben den Gemälden auch experimentelle Plastiken, die er als „Constructions“ bezeichnete. Noch vor Beginn des 1. Weltkrieges stellte Picasso auch außerhalb Frankreichs aus. Zwischen 1917 und 1924 schuf er sechs Bühnenbilder für das Russische Ballett von Serge Diaghilew, drei davon sind im Juni 1996 in der Oper von Nizza wieder bei einer Aufführung verwendet worden. 1918 heiratete er die dort engagierte Tänzerin Olga Koklova und malte Bildnisse des gemeinsamen Sohnes („Paulo als Harlequin“, 1924). In dieser Zeit kennzeichnete Picassos Werk eine neoklassizistische Phase, es folgten große Stillleben und eine intensive Beschäftigung mit dem Surrealismus. Auch in den grafischen und plastischen Arbeiten nach 1928 klingen noch gelegentlich surrealistische Einflüsse an. Hauptwerke aus den 30er Jahren waren neben zahlreichen weiblichen Figurenbildern die Radierfolge „Minotauromachie“ und das Monumentalgemälde „Guernica“, auf dem er die Zerstörung der gleichnamigen Stadt im Spanischen Bürgerkrieg dargestellt ist. Dieses großformatige Anti- Kriegs-Bild schuf er 1937 für den spanischen Pavillon auf der Pariser Weltausstellung. Picassos Darstellungen von Krieg und Verfol- gung sind wiederholt in Ausstellungen, Katalogen und Bildbänden gezeigt worden. Weitere Hauptwerke waren „Leichenhaus“ und „Massaker in Korea“. Picasso reagierte in vielen metaphorischen Aussagen auf Krieg und Verfolgung. Seine Lithographie „Die Taube“ wurde 1949 als Plakatmotiv für den internationalen Friedenskongress in Paris verwendet. Eine strenge stilperiodische Gliederung der nach 1930 entstandenen Arbeiten Picassos ist kaum möglich, da Gestaltungsmittel und -formen infolge der ungewöhnlich reichen und impulsiven Empfindungskraft des Künstlers ständig wechselten. Seit 1947 entstanden in Vallauris fantasievolle Keramiken, in den 1950er Jahren Variationenfolgen über Bilder von Delacroix und Velazquez. Picasso war der erste Künstler, der zu Lebzeiten mit einer Werkschau im Pariser Louvre geehrt wurde (1971 anlässlich seines 90. Geburtstages). Am 8. April 1973 starb Pablo Picasso in Mougins (bei Cannes). Er wurde im Garten seines Schlosses beigesetzt. Den künstlerischen Nachlass teilen sich das 1963 in Barcelona eröffnete Museo Picasso und das 1985 gegründete Musée Picasso in Paris.