Wilhelm Thöny

Graz 1888 – 1949 New York

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Wilhelm Thöny besuchte zunächst die Landeskunstschule in Graz, anschließend studierte er in den Jahren 1908 bis 1912 an der Akademie der Bildenden Künste München, wo Angelo Jank und Gabriel von Hackl seine Lehrer waren. Neben seiner Künstlerausbildung lernte er Gesang und Klavierspielen. Bereits während seines Studiums gehörte Thöny 1913 zu den ersten Gründungsmitgliedern der Münchener Neuen Secession. Als Sezessionsmitglied begegnete er Künstlern wie Alfred Kubin, mit dem er lange Kontakt hielt.

Im zweiten Kriegsjahr des Ersten Weltkrieges, 1915, rückte Thöny als Einjährig-Freiwilliger zum Grazer Schützenregiment Nr. 3 ein, besuchte 1916 die Reserveoffiziersschule in Mürzzuschlag und wurde am 1. August 1917 zum Leutnant der Reserve befördert. Dem wiederholten Gesuch seines Vaters um Aufnahme Thönys in die Kunstgruppe des k.u.k. Kriegspressequartiers wurde nicht stattgegeben, obwohl er an dem unter dem Protektorat des deutschen Kaisers stehenden Werk „Die Feinde Deutschlands und seiner Verbündeten“ (Berlin 1917) mitarbeitete und darüber hinaus auch 1916 die Kriegsgefangenenlager von Braunau in Böhmen, Kleinmünchen und Mauthausen besichtigen durfte und dort Porträtstudien von gefangenen italienischen, albanischen, rumänischen und griechischen Soldaten anfertigte. 1917 hielt sich Thöny an der italienischen Front im Tonale-Abschnitt auf. Seine oftmals sehr großflächigen Darstellungen der Kämpfe des Schützenregiments Nr. 3 wurden zum Teil auf Farbpostkarten zugunsten des Witwen- und Waisenfonds des Regimentes reproduziert, wovon sich heute einige im Stadtmuseum Graz befinden. Thöny illustrierte 1917 auch die Geschichte seines Regiments, er blieb gleichsam ein „Regimentsmaler“, da er zu keinem Zeitpunkt offizieller „Kriegsmaler“ im Kriegspressequartier war. Er wird diesbezüglich oft mit seinem Namensvetter Eduard Thöny verwechselt, welcher von Mitte Juli 1914 bis Kriegsende Mitglied des Kriegspressequartiers war.

Nach dem Krieg kehrte er in seine Geburtsstadt Graz zurück und war dort Mitbegründer und erster Präsident der Grazer Sezession (1923). 1925 heiratete er Thea Herrmann-Trautner, die Tochter des amerikanischen Malers Frank S. Herrmann (1866–1942), Schwester der Malerin und Karikaturistin Eva Herrmann. Nach kurzem Aufenthalt 1929 in Paris malte Thöny das erste große Ölbild „Ile de la Cité“. Fasziniert von den Hauptstädten der modernen Welt wie Paris oder New York, verließ er seine Heimatstadt Graz und verbrachte die Jahre von 1931 bis 1938 in Paris, wo sich sein Stil stark wandelte. Jedes Jahr verbrachte er den Herbst an der Côte d’Azur, wo die wichtigsten Werke dieser Schaffensperiode entstanden. Im Sommer 1933 begab sich Thöny erstmals nach Manhattan. Unter diesem Eindruck malte er dann in Paris zahlreiche Ölgemälde und Aquarelle mit New Yorker Motiven. Auf der Pariser Weltausstellung 1937 wurde Thöny mit der Goldmedaille ausgezeichnet. 1938 übersiedelte Thöny mit seiner jüdischen Frau Thea endgültig nach New York, von wo aus er zahlreiche Ausstellungen in den USA organisierte, aber auch unter der Isolation als Europäer litt.